Vorsicht bei der Umsatzsteuer

Viele Vereine nutzen Jubiläen, zum Beispiel das 50-jährige Bestehen des Vereins, oder Erfolge wie den Aufstieg der Mannschaft in eine höhere Liga für besondere Veranstaltungen. Dabei kann es passieren, dass die Umsatzsteuergrenze für Kleinunternehmen von 17.500 Euro (§19 UStG) ausnahmsweise überschritten wird. Für den Verein stellt sich nun die Frage, wie er sich zu verhalten hat. Ein Beispiel: Jubiläum des Sportvereins

 

Der Sportverein Grün-Gelb Neustadt e. V. feiert 2010 sein 50-jähriges Vereinsjubiläum und richtet aus diesem Anlass im Sommer eine badische Meisterschaft aus. Außerdem ist im Herbst ein Jubiläumsball geplant. In normalen Jahren erzielt der Verein aus Sponsoring Erlöse zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Diese Einnahmen sind dem Grunde nach umsatzsteuerpflichtige Erlöse. Da jedoch der Umsatz des Vereins in jedem Jahr die Kleinunternehmergrenze von 17.500 Euro nicht überstiegen hatte wurde die Umsatzsteuer nach §19 UStG nicht erhoben.

Nun muss der Verein prüfen, ob im Jubiläumsjahr die Summe der umsatzsteuerpflichtigen Erlöse weniger als 50.000 Euro ausmacht. Diese weitere Umsatzgrenze besteht zum Schutz gegen eine missbräuchliche Ausnutzung der Kleinunternehmerregelung. Die Regelung des §19 UStG lautet dahingehend, dass die geschuldete Umsatzsteuer von Unternehmen nicht erhoben wird, wenn der Umsatz im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Umsatz ist der nach vereinnahmten Entgelten bemessene Gesamtumsatz ohne die steuerfreien und nicht steuerbaren Einnahmen.

 

50.000-Euro-Grenze beachten

Bei der Grenze von 50.000 Euro kommt es darauf an, ob der Verein diese Bemessungsgröße voraussichtlich nicht überschreiten wird. Maßgebend ist die zu Beginn eines Jahres vorzunehmende Beurteilung der Verhältnisse für das laufende Kalenderjahr. Dabei muss der Verein auch beispielsweise die in diesem Jahr geplante Erweiterung des unternehmerischen Be reichs oder die Erlöse aus den Jubiläumsveranstaltungen konkret einplanen (vgl. BFH-Urteil vom 7.3.1995, XI R 51/94). Ist nach der Planung ein voraussichtlicher Umsatz von nicht mehr als 50.000 Euro zu erwarten, ist dieser Betrag auch dann maßgebend, wenn der tatsächliche Umsatz zuzüglich der Steuer im Laufe des Kalenderjahres die Grenze von 50.000 Euro überschreitet.

Der Verein hat dem Finanzamt auf Verlangen die Verhältnisse darzulegen, aus denen sich ergibt, wie hoch der Umsatz des laufenden Kalenderjahres voraussichtlich sein wird (vgl. Abschnitt 246 Abs. 3 UStR). Die Restauration beim Turnier und beim Ball wird von einem externen Gastronomiebetrieb erwirtschaftet und ist nicht dem Verein zuzurechnen. Da nach der Planung der voraussichtliche Umsatz im Jubiläumsjahr die Grenze von 50.000 Euro nicht übersteigen wird, kann der Verein auch 2010 die Kleinunternehmergrenze in Anspruch nehmen und braucht keine Umsatzsteuer abzuführen. Dies gilt selbst dann, wenn der Umsatz entgegen der Planung mehr als 50.000 Euro betragen sollte.

 

Steuerpflicht 2011

Für das Kalenderjahr 2011 ist erneut zu prüfen, ob die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden kann. Da der Vorjahresumsatz höher als 17.500 Euro liegt, müssen 2011 die Umsätze regulär besteuert werden, auch wenn die Erlöse unterhalb der Grenze von 17.500 Euro liegen. Erst 2012 liegt bei unveränderten Erlösen Kleinunternehmereigenschaft vor.

Beispielrechnung:

Die Planung des Vereins für das Jubiläumsjahr

ergeben folgende Zahlen:

Sponsoringeinnahmen                   12.500 Euro

aus längerfristigen Verträgen

Sponsoringerlöse anlässlich           20.000 Euro

der Deutschen Meisterschaft

Tombolaerlöse beim                        5.000 Euro

Jubiläumsball

Sponsoring-Erlöse                          10.000 Euro

beim Jubiläumsball

Summe der erwarteten Erlöse        47.500 Euro