Vereine und Integration

Vereine sind in vieler Hinsicht die Basis des sozialen Lebens. Auch bei der Integration von Migranten? Dieser Frage wollen wir hier in aller Kürze nachgehen und uns Beispiele anschauen, wie Integration durch Vereine funktionieren kann.

Sind Vereine relevant für Integration?

Vereine aller Art sind Orte, in denen Integration von Migranten geschehen kann und geschieht. Und zwar auf freiwilliger Basis und unbürokratisch. Aber das Vereinsleben ist für viele Migranten neu und unbekannt – zumindest in einigen Bereichen. Daher ist der Sport, durch seine große Anziehungskraft, oft der erste Einstieg. Die eigene Herkunft oder Religion spielen dort keine Rolle, im Vordergrund steht die gemeinsame Tätigkeit und das Erreichen von sportlichen Zielen. Der große Vorteil: Integration kann so „nebenbei“ geschehen, durch den simplen Austausch zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Abseits der Arbeitswelt – wo der Druck und die Erwartungen vielleicht größer sind – kann auch die Sprache eingeübt werden.

Die leichte Zugänglichkeit von Vereinen macht sie zu idealen Orten auch der politischen Partizipation. Vereine oder Verbände übernehmen auf diese Weise eine Brückenfunktion. Sie bieten zwanglose Gelegenheiten zur Kommunikation. Natürlich müssen Vereine darauf auch vorbereitet sein, etwa durch Schulungen für interkulturelle Kompetenz oder ähnliches.

Vereinsarbeit ist bei der Integration, wie auch in anderen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens, Grundlagenarbeit. Sie schaut jenseits aller theoretischen Debatten auf die Möglichkeiten, etwas Konstruktives zu erreichen und so das Miteinander zwischen allen Gesellschaftsschichten (nicht nur zwischen Migranten und Nicht-Migranten übrigens) zu verbessern.

 

Spezielle Vereine für Integration?
Fragt man nach Vereinen, die sich aktiv um Integration bemühen, landet man bei den „binationalen“, z.B. den deutsch-türkischen Vereinen. Diese gibt es in größeren Städten natürlich auch für viele weitere Nationalitäten. Ihre Angebote sind speziell auf Integration ausgerichtet. Ihrem Satzungszweck gehen sie durch kulturelle und politische Arbeit und durch konkrete Sozialarbeit nach. Sie bieten Hilfe in Schul- und Berufsfragen oder auch Computer- und Deutschkurse an. Allgemeine Sozialberatung oder Organisation eines Seniorentreffs sind ebenfalls oft Teil ihres Programms.
Auch die sogenannten Migrantenselbstorganisationen (MSO) sind meist eingetragene Vereine. Sie stehen oft in der Kritik, weil sie Integration erschweren würden. Sind die MSO reine Kaffeehäuser, wo die jeweiligen Nationalitäten unter sich bleiben, dann ist diese Kritik sicher berechtigt, weil sie dann zu Orten der Abschottung werden. Viele dieser Organisationen pflegen aber nicht nur die eigene Kultur oder Religion, sondern bieten ihren Mitgliedern auch Hilfestellungen bei der Integration in die neue Umgebung an. Im Idealfall sind die MSO also beides: Pflege der eigenen Kultur und gesellschaftliches Mittel zur Integration. Als solche würden sie auch der schwierigen Situation gerecht werden, in der sich Migranten oft wiederfinden, nämlich zwischen notwendiger Anpassung und Bewahren der eigenen Wurzeln. Sie sind gerade auch für Personen interessant, die sonst nicht in einen Verein eintreten würden.

Beispiele für Bemühungen und Aktionen
Zusätzlich zu der bereits erwähnten Integration „nebenbei“ durch die Mitgliedschaft in einem Verein (der an sich gar nichts mit Integration zu tun haben muss), gestalten Vereine und Verbände immer wieder Aktionen und Programme rund um dieses zurzeit brisant diskutierte Thema.
Ein Beispiel dafür ist die Initiative „Integration durch Sport“ des DOSB. Ein Ziel: Die Anziehungskraft von Sportvereinen noch zu vergrößern, indem man mehr Migranten in die Vereinsarbeit und -funktionen einbindet. Es hat sich gezeigt, dass dadurch Hemmschwellen und Berührungsängste abgebaut werden. Dies soll auch durch die Fortbildung „Sport interkulturell“ geschehen: Übungsleiter werden dabei entsprechend geschult und qualifiziert. Eine weitere Säule des Programms sind die Stützpunktvereine, die sich auf originelle Weise für Integration engagieren. Dafür werden sie von dem DOSB besonders gefördert. Die ins Programm aufgenommenen Vereine arbeiten beispielsweise eng mit Asylbewerberheimen zusammen oder führen Aktionen gegen Rassismus durch.
Ein anderes Beispiel für Aktivitäten rund um das Thema Integration ist die Zusammenarbeit zwischen zwei Vereinen, von denen einer der beiden eine Migrantenselbstorganisation ist. Dabei werden z.B. gemeinsame Reisen in das Herkunftsland unternommen oder einfach über die Erfahrungen in der neuen Heimat gesprochen. Bei einem „Tag der Vereine“ in der Moschee treffen sich Vereine aller Art in der lokalen Moschee. Der Verein der Moschee tritt dabei als Gastgeber in Erscheinung. So können Kontakte geknüpft und Vorurteile abgebaut werden.
Man sieht, die Möglichkeiten sind zahlreich und vielfältig.

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