Vergebens: Kein Treffer ohne Torraumszenen

Hinweis: Der Praxisfall ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Vereinen und Personen wären bloßer Zufall.

Spender und Sponsoren haben nur eine Gemeinsamkeit: Die ersten beiden Buchstaben. Der Rest unterscheidet sich. Die Spende ist ein Geschenk, das Sponsoring ein Geschäft. Damit es zustande kommt, muss man dem Sponsor etwas bieten.


GUT GEMEINT, ABER ...
Als Privatmann begrüße er die Initiative des Vereins, betonte der Geschäftsführer des Autohauses, Herr Partner, nur leider ...

„Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, ich finde toll, was Sie machen und gebe gern eine Spende aus meinem eigenen Portemonnaie für Ihr Migranten-Sportfest. Als Geschäftsmann allerdings muss ich darauf achten, dass wir bei einer so großen Sponsoringsumme, immerhin 10.000 Euro,  auch konkrete Vorteile von unserem Engagement haben. Ich brauche einen echten Gegenwert, so etwas wie Torraumszenen, mit denen wir uns in der Öffentlichkeit sehen lassen können. So wichtig ich es finde, dass wir die Migranten herzlicher in unserer Gemeinde aufnehmen und etwas für das Zusammenleben tun – das ist leider kein Thema, mit dem sich gut werben lässt.“


Gerda Gründlich, die Vorsitzende des SV Sportsfreunde, nahm einen letzten Anlauf: Herr Partner verkaufe doch ausländische Autos, die seien doch auch „so etwas wie Migranten“. Herr Partner lächelte freundlich, mehr aber auch nicht. Das Gespräch war zu Ende und nichts war gewonnen.


RÜCKBLICK: GUTER ANSATZ – SCHLECHTE AUFBEREITUNG
Auf dem Heimweg überlegte Gerda Gründlich, was falsch gelaufen war. Als im Vereinsvorstand die Idee aufkam, gezielt auf Migranten zuzugehen, war sie sofort überzeugt gewesen. Es sprach so viel dafür:

  • Die soziale Kraft des Sports: Ein Spielfeld für alle
    Seit einigen Jahren verzeichnete die Heimatstadt des SV Sportsfreunde eine Zuwanderungswelle. Die Neuankömmlinge, darunter viele Spätaussiedler, waren willkommen, denn ihre Arbeitskraft wurde dringend gebraucht: Den Zuschlag für eine große Industrieansiedlung hatte die 80.000-Einwohner-Stadt nur erhalten, weil sie sich erfolgreich um den Zuzug von Facharbeitern bemüht hatte. In den vergangenen Jahren hatte sich allerdings gezeigt, dass der Integrationsprozess weniger erfolgreich verlaufen war: Die Alteingesessenen und die Zugezogenen lebten aneinander vorbei. Es war ein attraktives Neubauviertel entstanden, das gleichwohl eine imaginäre Grenze zu umgeben schien. Jedenfalls war der Anteil Alteingesessener so gering wie der Anteil an Spätaussiedlern hoch war. Das hatte kürzlich die Stadtverwaltung festgestellt. Daraufhin hatte in der Stadt eine Diskussion begonnen. Schnell herrschte Einigkeit, dass es nicht etwa tiefe Gräben gab, die man hätte zuschütten müssen. Alles, was fehlte, waren Brücken, um sich besser kennenzulernen. Solch eine Brücke hatte der SV Sportsfreunde, der in unmittelbarer Nähe des Neubauviertels angesiedelt war, bauen wollen. Das Fundament sollte das Sportfest legen, dem man den Titel „Migranten, macht mit!“ gegeben hatte. Was gab es denn Besseres als den Sport, um zueinander zu finden!

  • Mehr Mitglieder: Wirtschaftlich wär’s eine Wohltat
    Ein Vorstandsmitglied war von der Idee zunächst weniger begeistert gewesen. Integration, schön und gut, meinte er, aber er sehe die Gefahr, dass der SV Sportsfreunde zum „reinen Migrantenverein“ werde. Gerda Gründlich mochte diese Überlegung nicht. Die Unterscheidung in „wir hier und die da“ war ihr sogar zuwider. Letztlich überzeugte sie ihren Kollegen aber mit einem anderen Argument, nämlich dem Mitgliederschwund. Der Verein drohte in einen Teufelskreis zu geraten: Sinkende Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen hatten ihn gezwungen, Pläne für neue Angebote auf Eis zu legen, worunter die Mitgliedergewinnung und -bindung litt, was den finanziellen Spielraum weiter einschränkte. Wenn das Sportfest dazu beitrug, den Teufelskreis zu durchbrechen, wäre allen gedient.

  • Personelle Power: Mit vereinten Kräften mehr bewegen
    Schließlich hatte sie auch darauf hingewiesen, dass sich die Spätaussiedler den Ruf erworben hatten, zupacken zu können. In Osteuropa habe man wahrscheinlich viel häufiger als im Westen selbst Hand anlegen müssen, wenn man Wünsche verwirklichen wollte. Gerade solche Menschen seien für den Verein doch eine wertvolle Verstärkung! Wenn es gelinge, die sich lichtenden Reihen der Ehrenamtlichen wieder zu schließen – das wäre ein echter Gewinn!

 
Wenn die Sponsoreninteressen nicht interessieren
Es hatte also alles für das Sportfest gesprochen. Die Kosten waren jedoch nicht zu unterschätzen, zumal in der Vereinskasse Flaute herrschte. Deshalb brauchte man Sponsoren – und hatte vor allem auf das Autohaus gesetzt, das schon in der Vergangenheit zumindest kleinere Beträge gegen Werbeanzeigen zur Verfügung gestellt hatte. Mit einer so klaren Absage hatte Gerda Gründlich nicht gerechnet. Aber sie war nicht bereit, die Flinte ins Korn zu werfen. Herr Partner hatte ins Feld geführt, dass sich die geplante Veranstaltung nicht für die Werbung des Autohauses eigne. Genau genommen, gestand sie sich ein, hatte sie Herrn Partner gar kein Sponsoring-Konzept vorgestellt. Sie hatte von den sozialen Anliegen gesprochen – jedoch nicht von den Interessen des Sponsors. Herr Partner hatte ein Problem mit dem Inhalt, dem Thema Migranten, geäußert. Aber vielleicht war es nur eine Frage der Verpackung? So oder so, sie würde den Dingen auf den Grund gehen und es herausfinden! Doch dafür brauchte sie Unterstützung. Niemand im Vorstand kannte sich mit Sponsoring wirklich aus. Aber vielleicht gab es im Verein jemanden, der weiterwusste.

 

 

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