Einkaufspolitik: Strategie statt Schnellschuss

Worauf achtet ein Sportverein, der neue Spieler fürs Team sucht? Auf spielerisches Können? Taktisches Verständnis? Laufbereitschaft? Ja, auf das alles kommt es sicher an. Aber auf noch etwas mehr: Die Neuen müssen in die Mannschaft passen. Nicht immer ist der Beste auch der Richtige!

 

ENTWICKLUNG EINER STRATEGIE

E-Learning-Programme mit bunten Bilderwelten sind faszinierend, kosten aber auch einiges. Um so wichtiger ist es, kühlen Kopf zu bewahren und genau zu kalkulieren. Eine umfassende Bedarfsanalyse liefert die Grundlage für eine stimmige Strategie:

  • Welchen Fortbildungsbedarf haben wir im Verein?
  • Für welche Fortbildungsziele könnte sich das Lernen am Computer eignen?
  • Wer will und kann mit elektronischen Medien arbeiten?
  • Was müsste ein E-Learning-Prgramm leisten, um für unsere Zwecke geeignet zu sein?
  • Welche technischen Rahmenbedingungen müssten wir schaffen, um die Stärken des Programms auszuschöpfen?
  • Wie viel darf es kosten?

 

Tipp: Ab dem zweiten Planungsschritt sollten Sie die potenziellen Nutzer einbeziehen, weil

  • sie häufig am besten beurteilen können, mit welchen Lernwerkzeugen und unter welchen Bedingungen sie gut lernen können und
  • der Lernerfolg letztlich von ihrer Bereitschaft abhängt, die Neuen Medien zu nutzen.

 

1. Schritt: Welche Kompetenzen brauchen wir?

Aus den übergeordneten Vereinszielen ergeben sich der Fortbildungsbedarf und die vorrangigen Qualifizierungsmaßnahmen.

 

 

2. Schritt: Computertauglicher Lernstoff?

Manche Themen eignen sich nicht fürs E-Learning, weil man einen realen Gegenspieler braucht, um die Finessen zu lernen. Die Moderation von Gruppen lässt sich eben nur mit realen Menschen ausprobieren, spontanes Feedback inklusive. Zwar sollte man E-Learning-Einheiten immer mit Präsenzveranstaltungen kombinieren – doch wenn die Ergänzung zur Hauptsache für den Lernerfolg wird, ist E-Learning keine gute Wahl.

 

 

3. Schritt: Was wollen und können die potenziellen Nutzer?

Wer am Computer lernt, braucht eine hohe Motivation und spezielle Fähigkeiten:

  • Ohne die Bereitschaft der Nutzer, sich aufs E-Learning einzulassen, ist für einen Verein nichts zu gewinnen. Solange sie sich E-Learning als Tortur vorstellen, hat die Einkaufstour keinen Sinn!
  • Um so komplexer das E-Learning-Programm, desto höher die Anforderungen an die Selbstlernkompetenzen der Nutzer und ihre Kenntnisse der Arbeit am Computer. Wenn die potenziellen Nutzer diese Fähigkeiten bisher nur in geringem Maße besitzen, sollte der Verein nur einfache Programme in Betracht ziehen.

 

4. Schritt: Was müsste ein Programm können?

Die konkreten Anforderungen an das jeweilige Programm leiten sich von den Lernzielen ab. Weil aber die bunte Welt der elektronischen Medien viele Reize erzeugt, die vom Wesentlichen ablenken, sollten Sie Ihre Erwartungen definieren, bevor Sie ein konkretes Programm unter die Lupe nehmen.

  • Welche Themen gehören ins Programm und was muss es didaktisch leisten?
    Wer in der Buchhandlung nach dem passenden Fachbuch sucht, schaut sich meist zunächst das Inhaltsverzeichnis an: Wird hier thematisiert, was für mich von Belang ist? Anschließend wird er sich fragen, ob die Inhalte didaktisch gut aufbereitet wurden: Ist der Text verständlich geschrieben? Ist die Abfolge der Inhalte logisch, verstehe ich also wie sich das eine aus dem anderen ergibt? Wie abstrakt oder konkret ist die Darstellung? Gibt es erläuternde Beispiele, ein Glossar etc.?
    Diese Fragen stellen sich auch bei einem E-Learning-Programm. Achten Sie besonders auf verständliche und übersichtliche Strukturen. Denn anderes als bei einem Buch, das man als Ganzes im Blick hat, sieht man am Monitor immer nur Ausschnitte des Ganzen. Wie die einzelnen Teile verbunden sind, sollte sich dem Nutzer schnell erschließen, sonst verliert er den Überblick.
  • Welche Funktionen und Medien sollte es enthalten?
    Für den Lernerfolg wichtige Funktionen und Medien dürfen natürlich nicht fehlen. Wenn das Programm nicht viel mehr ist als ein Buch in digitaler Form, wird dem Nutzer kaum der Schritt von der Theorie in die Praxis gelingen. Allerdings sollten Sie nicht dem Grundsatz „je mehr, desto besser“ folgen. Denn erstens kosten mehr Funktionen auch mehr Geld und zweitens führen überfrachtete Programme eher zur Desorientierung und Reizüberflutung. Prüfen Sie deshalb nüchtern, ob zum Beispiel veranschaulichende Videos nötig sind oder ob der Nutzer wirklich einen Teletutor braucht.

 

Tipp: Bitten Sie Anbieter um eine Demo-Version. So können Sie präzise prüfen, ob das Programm den Bedürfnissen Ihres Vereins entspricht.

 

5. Schritt: Überzeugt uns der Anbieter?

Das Lernprogramm selbst ist häufig nur ein Teil der Leistung: Hinzu kommt der Service, zum Beispiel

  • die Einführung der Nutzer in das Programm
  • die Betreuung durch einen Teletutor
  • die spätere Aktualisierung von Inhalten

 

Es kommt dann entscheidend darauf an, dass der Dienstleister zuverlässig ist. Fragen Sie ihn zum Beispiel nach Referenzen und nach einer Zertifizierung.

 

Tipp: Ein gutes Indiz für die Qualität des E-Learning-Anbieters ist die Lizenz der Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU), die über die staatliche Zulassung von Fernlehrgängen entscheidet. Hier können Sie sich informieren:

Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU)

Peter-Welter-Platz 2 / 50676 Köln

Telefon: 0221 / 92 12 07-0 / Fax: 0221 / 92 12 07-20

E-Mail: poststelle@zfu.nrw.de

Internet: http://www.zfu.de

 

6. Schritt: Wie viel Technik bracht das Programm?

Selbst der begabtesten Spieler hat ohne Schläger beim Tischtennis nichts zu gewinnen. Auch E-Learning-Programme sind nur so gut, wie die Ausrüstung es zulässt. Klären Sie deshalb mit dem Anbieter detailliert, welche technischen Voraussetzungen – zum Beispiel Rechnerkapazität, Betriebssystem, Laufwerke (CD / DVD / Diskette), Internetanschluss – das Programm benötigt, damit es

  • überhaut genutzt werden kann
  • optimal genutzt werden kann

 

7. Schritt: Was können und wollen wir ausgeben?

Zunächst stellt sich die Frage, ob der Verein (allein oder mit Partnern) die Kosten für das Programm und die mit der Nutzung verbundenen Ausgaben (zum Beispiel für die Technik) überhaupt aufbringen kann.

 

Wenn ja, sollten Sie auch kalkulieren ob sich die Aufwendungen rechnen:

  • Vergleichen Sie alle mittelbar und unmittelbar fürs E-Learning anfallenden Kosten mit denen alternativer Fortbildungsmethoden. Was zum Beispiel müssten Sie für ein Seminar ausgeben? Denken Sie auch an Folgekosten wie Fahrtkosten oder Anschaffungskosten für Lehrmaterialien oder zusätzliche Heizkosten für einen Seminarraum.
  • Berücksichtigen Sie die Anzahl der aktuelle Nutzer. Um so mehr Personen ein Programm nutzen können, desto geringer die Ausgaben pro Kopf.
  • Kalkulieren Sie schließlich die wahrscheinliche Nutzungsdauer. Um so länger ein Programm sinnvoll genutzt werden kann, desto größer die eingesparten Kosten für andere Fortbildungsmethoden; jedenfalls dann, wenn Mitarbeiter, die später mit der Aufgabe oder dem Amt betraut werden, das Programm ebenfalls gebrauchen können. In Wissensbereichen allerdings, die ständigen Veränderungen unterliegen, zum Beispiel Steuern und Recht, veralten die Inhalte eines elektronischen Lernprogramms schnell. Die Anschaffung ist dann wahrscheinlich nur wirtschaftlich, wenn der Anbieter die Inhalte kostengünstig aktualisiert.

 

QUALITÄTSKONTROLLE

Für den Erfolg der Fortbildung am Computer ist die Qualität des Lernprogramms entscheidend. Wer ihm vor der Anschaffung auf den Zahn fühlt, steigert die Erfolgsaussichten erheblich. Letztlich zeigt sich aber erst in der Praxis, ob es den Anforderungen Ihres Vereins genügt. Lassen Sie die Betroffenen beurteilen, ob sie mit dem Lernprozess und den Lernergebnissen zufrieden sind und werten Sie die Ergebnisse aus:

  • Sind die Nutzer mit dem Programm gut zurecht gekommen?
  • Hat sie der Teletutor gut betreut?
  • Hat sich das Programm weitgehend selbst erklärt? Oder musste der vereinsinterne Betreuer oft zur Hilfe eilen?
  • Wie bewerten die fachlich Verantwortlichen den Lernerfolg der Nutzer im Abgleich mit den vorher festgelegten Lernzielen?

 

 

 

FAZIT

E-Learning ist auch für Sportvereine eine attraktive und interessante Methode, sich neues Wissen anzueignen – wenn ...

  • Ihr Verein die Mitarbeiter für das neue Spielsystem gewinnt,
  • E-Learning in den Trainingsplan Ihres Vereins passt und
  • Ihr Verein sie mit anderen Arten der Wissensvermittlung, vor allem Präsenzveranstaltungen, kombiniert.

 

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