In fünf Spielzügen zum kreativen Erfolg

Ein einziger Geistesblitz kann das Spiel entscheiden. Aus heiterem Himmel schlägt erst die geniale Idee und dann der Ball im Tor ein. Mannschaften, denen so etwas gelingt, verblüffen und verzaubern ihre Fans. Aber auf solche wundersamen Kunststücke ist kein Verlass. Meister im Sport sind deshalb auch Meister der Vorbereitung. Sie wissen, wo sie stehen und haben klare Ziele im Blick. Sie planen das Spiel Schritt für Schritt – allerdings mit viel Spielraum für die plötzliche Eingebung. Ein Erfolgsmodell – auch für Ihren Sportverein. Wandeln Sie in fünf Schritten Probleme in neuartige Lösungen um.

1. Bestimmen Sie Ihr Ziel
Um konkrete Lösungen zu finden, brauchen Sie konkrete Zielvorstellungen – sonst irren die Gedanken später ziellos herum. Engen solche Vorgaben aber nicht die Kreativität ein? Nein – vorausgesetzt, Sie schmuggeln die Lösung nicht schon in die Zieldefinition ein.

Nehmen wir an, ein Sportverein stellt nach dem Kassensturz fest, dass die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Eine konventionelle Lösung könnte lauten: Wir müssen bei den Angeboten Abstriche machen. Oder: Wir müssen den Mitgliedsbeitrag erhöhen. Wenn Sie aber die Einnahmen erhöhen wollen, ohne die Mitglieder zu belasten, ist eine Portion Kreativität gefragt – und eine konkrete Zielsetzung, zum Beispiel: „Wir möchten neue Einnahmequellen erschließen, und zwar mindestens in Höhe unseres Defizits. Die Lösung muss mit unserem Leitbild vereinbar sein.“ Das ist der Maßstab, an dem sich nun jeder Lösungsvorschlag messen lassen muss. Welche Einnahmequellen in Betracht kommen, sollten Sie aber offen lassen – sonst verkleinern Sie das Spielfeld, auf dem Ihre Kreativität in Schwung kommen kann.

Tipp: Auf Probleme und interessante Ziele aufmerksam zu werden, ist bereits ein kreativer Prozess, den Sie durch Kreativitätstechniken anstoßen können.


2. Verschaffen Sie sich einen Überblick
Jetzt wissen Sie, auf welche Gipfel Sie gedankliche Höhenflüge tragen sollen. Bevor Sie abheben, steht aber noch bodenständige Arbeit an: Studieren Sie die Landkarte. Um so genauer Sie die Ausgangslage, zum Beispiel ein lästiges Problem samt seiner Strukturen und Bedingungen, kennen, desto besser sind Sie präpariert. Sie lernen Ursachen, Symptome und Zusammenhänge genauer kennen und erhalten erste Indizien über die Erfolgsfaktoren einer Lösung. Eine Fleißarbeit, die Sie aber natürlich nicht übertreiben sollten. Irgendwann hat die Mannschaft genug vom Training und will endlich spielen. Entscheiden Sie also nach Gespür, wann Sie genug Analyse betrieben haben.

Tipp: Auch aus zuvor gescheiterten Lösungsversuchen lassen sich oft nützliche Schlussfolgerungen ableiten.


3. Rauf aufs Spielfeld
Bis jetzt stand vor allem Selbstdisziplin auf dem Programm. Und genau die gilt es jetzt über Bord zu werfen. Lassen Sie die Gedanken von der Leine – sie sollen sich austoben, Grenzen überschreiten, der Kontrolle der Vernunft enteilen und in unbewusste Bereiche vordringen.

Das ist leichter gesagt als getan, nicht wahr? Wo ständig Ordnung herrscht, kommt die intuitive Eingebung nicht auf Knopfdruck. Das Unbehagen, einfach drauflos zu spinnen, kennen wir alle – sieht man von den wenigen Ausnahmetalenten ab. Und trotzdem funktioniert es: mit Hilfe von Kreativitätstechniken (um die es im nächsten Kapitel geht) und günstigen Rahmenbedingungen:

Zeit nehmen und innehalten
Manchmal kommen die besten Ideen wie von selbst. Aber leider meist dann nicht, wenn man gezielt nach ihnen sucht. Dann braucht Kreativität genügend Zeit und Raum. Schaffen Sie deshalb einen festen Rahmen für kreative Sitzungen, die Sie allein oder – weit besser – in der Gruppe abhalten.

  1. Wählen Sie möglichst einen Raum, in dem sich alle Teilnehmer wohlfühlen. Am besten eine freundliche, helle Umgebung, in der jeder genug Platz hat. Sorgen Sie dafür, dass kein Lärm von außen stört, denn Kreativität setzt Konzentration voraus.
  2. Haben Sie mit sich und Ihren Mitspielern viel Geduld. Gedanken lassen sich nicht erzwingen – sie brauchen Zeit zum Reifen. Selten entstehen die besten Ideen schon am Anfang. Erst nach einer Aufwärmzeit – mit manchmal seltsamen gedanklichen Verrenkungen – kommt die Sache in Fluss.
  3. Lassen Sie auch die absurdesten Ideen unkommentiert stehen. Solche abwegigen Überlegungen sind oft nötig, um die anfängliche Denkblockade zu überwinden. Die Gedanken müssen erst mal in Bewegung kommen.
  4. Und wenn es im ersten Anlauf nicht recht klappen will, hilft oft eine kleine Unterbrechung weiter. Hauptsache, Sie und Ihre Mitspieler bleiben gelassen – und nehmen sich Zeit.


Tipp: Nicht selten verbirgt sich in aberwitzigen Gedankenspielen der Kern einer möglichen Lösung. Meist wird das aber erst viel später ersichtlich. Gehen Sie deshalb in der späteren Bewertungsphase nicht vorschnell über „merkwürdige“ Vorschläge hinweg.

Und wenn doch nichts Vernünftiges dabei herauskommt?
Es kann passieren, dass die Gedankensuche zunächst im Abseits landet – vor allem, wenn die Mitspieler noch keine geübten Kreativitätskünstler sind. Kein Grund sich entmutigen zu lassen und aufzugeben.

Tipp: Anfängliche Fehlschläge im kreativen Prozess können sich im Rückblick als wichtige Zwischenstationen auf dem Weg zur Lösung erweisen. Es lohnt sich deshalb, sich solche Lösungsversuche genauer anzusehen:

  • Warum funktionieren sie nicht? 
  • Was müsste anders sein, damit es vielleicht doch klappen könnte?

Wenn die produzierten Ideen aber auch nach mehreren Anläufen nicht mal ansatzweise nützlich sind, sollten Sie sich über einige mögliche Ursachen Gedanken machen:

  • Gehen Sie vielleicht zu streng an die Sache ran? Dann sollten Sie versuchen, sich vom Erwartungsdruck frei zu machen. Ballern Sie einfach mal drauflos und scheren Sie sich nicht darum, ob der Ball im Tor landet. So gelingen oft die schönsten Treffer!
  • Haben Sie das Ziel möglicherweise zu hoch gehängt? Kreativität ist eine Allzweckwaffe – aber kein Zauberstab, der Unmögliches möglich macht. Probieren Sie aus, was passiert, wenn Sie Ihre Erwartungen etwas herunterschrauben.
  • Haben Sie nicht ausreichend vorgearbeitet? Wenn in der Analyse ein entscheidendes Puzzleteile übersehen wurde, lässt sich ein Bild der möglichen Lösungen kaum entwerfen.
  • Haben Sie sich für die falsche Kreativitätstechnik entschieden? Jede Technik hat Stärken und Schwächen. Probieren Sie eine andere aus – das könnte Sie auf bessere Ideen bringen.


4. Zurück an den Schreibtisch: Einfälle ausarbeiten
Kreative Ideen sind das Material für produktive Lösungen – sie sind aber noch nicht die Lösung selbst. Nach dem schöpferischen Prozess stehen deshalb wieder analytische Aufgaben auf der Tagesordnung:

  1. Bewerten Sie zunächst unterschiedliche Lösungsansätze. Ist eine viel versprechende Idee darunter?
  2. Diese Idee sollten Sie sorgfältig ausarbeiten. Bringen Sie zu Papier, welche Stärken und Schwächen sich abzeichnen.
  3. Übersehen Sie auch die Kosten nicht.
  4. Behalten Sie im Auge, ob die Idee das Problem bereits vollständig löst. Wenn nicht, benötigen Sie weitere Antworten. Manche lassen sich unmittelbar aus dem Lösungsansatz ableiten. In anderen Fällen stellen sich der Kreativität neue Herausforderungen – dann heißt es also, zum dritten Schritt zurückzukehren.


Tipp: Welche Fragen sich Ihnen stellen, um Ihre kreativen Einfälle auszuarbeiten, zeigt Ihnen die Checkliste 5.3.11 Kreative Ideen auf dem Prüfstand.


5. Vor der Umsetzung kommt die Durchsetzung
Als vor einigen Jahren Skispringer auf die Idee kamen, die Skier in V-Stellung anzuwinkeln, haben sie anfänglich vor allem Spott geerntet. So weit sie auch geflogen sind – die Punktrichter haben mit miserablen Haltungsnoten verhindert, dass sie zu Überfliegern werden. Die Liste bahnbrechender Ideen, die zunächst abgelehnt wurden, ist lang. So laut der Ruf nach Veränderungen auch hallt – das Echo auf kreative Vorschläge ist oft zunächst negativ – wir hängen eben an unseren Gewohnheiten. Darauf sollten Sie sich vorbereiten, wenn Sie ungewohnte Ideen präsentieren.

Heben Sie den Nutzen hervor!
Weniger ist mehr! Wenn Sie überzeugen wollen, müssen Sie sich auf das Wesentliche konzentrieren: die wichtigsten Nutzenargumente. Für technische Details ist es noch zu früh. Und kaum einen wird interessieren, warum Sie wie auf welchen Einfall gekommen sind. Die Menschen haben vor allem eine Frage: Was haben wir davon? Darauf sollten Sie eine klare Antwort geben, die jeder schnell versteht. Machen Sie in einfachen Worten klar, was Ihre Idee zu leisten imstande ist – um so anschaulicher, desto besser.

Tipp: Beginnen Sie Ihre Präsentation mit einem starken Argument – aber heben Sie sich das Beste für den Schluss auf.


Nehmen Sie den Kritikern den Wind aus den Segeln!
So gut Sie auch präsentieren mögen – Sie sollten sich auf Gegenspieler gefasst machen. Überlegen Sie deshalb im Vorfeld,

  • mit welchen Einwürfen Sie rechnen müssen
  • mit welchen Gegenargumenten Sie Einwände entkräften können

Einwände, die höchst wahrscheinlich kommen werden, sollten Sie in Ihrer Präsentation vorwegnehmen – und ausräumen. So vermeiden Sie elegant, in der anschließenden Diskussion in die Defensive zu geraten.

Tipp: Wie Sie giftige Scheinargumente entschärfen, zeigt Ihnen die Checkliste 6.4.04 Killerphrasen.


Im Team sind Sie stärker!
Zuallererst sollte natürlich das Team zusammenhalten, das den Lösungsvorschlag entwickelt hat. Noch besser ist aber, wenn Sie frühzeitig auch andere Mitstreiter finden. Um so mehr Verbündete Sie mit in die Diskussion und Abstimmung bringen, desto wahrscheinlicher setzen Sie sich durch. Überlegen Sie also, wen Sie für Ihre Idee begeistern könnten:

  • Wer profitiert davon? 
  • Wer hat eigene Ziele, die sich mit Ihrer Idee verbinden lassen? 
  • Wer ist für Neues aufgeschlossen?


Tipp: Von einer guten Präsentation hängt viel ab. Neue Ideen erfolgreich vorzustellen – das ist Thema vieler Checklisten im Portal: 6.5. „Präsentationen, Vorträge und Diskussionen".


Den vollständigen Text können Sie beim DOSB unter ehrenamt-im-sport.de als PDF herunterladen

 

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