Die Teamwertung: Pluspunkte für das kreative Spiel

Wer einen genialen Treffer erzielt, ist der Held des Stadions. Sein Können – ein atemberaubendes Dunking im Basketball zum Beispiel oder ein unglaublicher Fallrückzieher im Fußball – bringt die Punkte und den Applaus. Er ist der Vollstrecker! Doch ohne seine Mannschaft, die ihn frei gespielt hat, hätte er nichts vollenden können. Seine individuelle Leistung beruht auch auf ihrer Unterstützung!

 

KÖNNEN, WOLLEN, DÜRFEN: DAS GRUNDGERÜST DER KREATIVITÄT

Ideen sind Individualisten, spontan und spielerisch veranlagt. Auf Knopfdruck reagieren sie nicht. Die Kreativität, die sie hervorbringt, folgt keinen Kommandos, sondern nimmt im Gegenteil Reißaus, sobald sie Druck zu spüren bekommt. Genau genommen sind es natürlich die Ideengeber, die günstige Bedingungen brauchen, um kreativ zu sein. Dreh- und Angelpunkt des Ideenmanagements ist deshalb der Mensch: Will ein Verein mithilfe der Einfallsgabe der Mitspieler Innovationsprojekte voranbringen, muss er ein Umfeld schaffen, in dem sie kreativ sein können, kreativ sein wollen und kreativ sein dürfen.

 

 

1. KÖNNEN: DENKSPORT BRAUCHT DENK-MAL-PFLEGE

Ohne Training und passende Ausrüstung kommt auch ein talentierter Läufer kaum über die Marathondistanz. Das gilt für die Ideenfindung ähnlich: Sich "mal eben" etwas einfallen zu lassen, damit ist es selten getan. Ideen, die zu Innovationen führen, beruhen meist auf ...

 

... konzentrierter (Team-)Arbeit

... sorgfältiger Analyse

... dem gezielten Einsatz von Kreativitätstechniken

... präziser Planung in der Realisierungsphase

 

Nur wenn das Team diese Methoden und Instrumente anzuwenden versteht, vermag es sein kreatives Potenzial zu nutzen, um von der Erkenntnis über die Idee zu einem konkreten Lösungsvorschlag zu gelangen. Vereine auf Ideensuche müssen die Mitspieler dazu befähigen!

 

 

2. WOLLEN: TRAININGSEHRGEIZ INKLUSIVE

Ohne Lust zu laufen, braucht der Marathonläufer gar nicht erst an den Start zu gehen. Doch die Bewegungsfreude allein bringt ihn nicht ins Ziel. Er muss auch bereit sein, sich Know-how, zum Beispiel über Trainingsmethoden und -pläne, anzueignen. Diese umfassende Motivation sollten auch kreative „Gedankengänger“ besitzen. Sie zu fordern bringt wenig, sie zu fördern viel mehr:

 

 

Vereinskultur: Applaus für Dribbelkünstler!

Man kann sie nur schwer fassen und beschreiben, aber sie ist überall wirksam, wo Menschen zusammenkommen: die Kultur, die sie verbindet. Sie erzeugt ein Klima, dem man sich schwer entziehen kann. Das gilt auch für die Kreativen im Verein: Lust auf weite Gedankensprünge werden sie nur haben, wenn sie weich landen. Wenn ihre Ideen nicht schnell beiseite geschoben, sondern mit offenen Armen aufgenommen und mit Neugierde diskutiert werden. Ideenmanagement beginnt deshalb mit der Herausforderung, solch ein Klima zu schaffen. Ist das überhaupt möglich? Ja, denn die Vereinskultur ist kein Zustand: Oft unbemerkt verändert sie sich kontinuierlich – und zwar per Doppelpass: Die Kultur prägt die Menschen, die aber ihrerseits durch ihr alltägliches Verhalten auf die Kultur einwirken. Das gilt besonders für die Führungsspieler – vorausgesetzt, sie überzeugen als Vorbild. Sie können die "Klimafaktoren" positiv beeinflussen – indem sie sich offen für Neues zeigen und engagierten Vordenkern Beifall zollen:

 

  • Ermutigung: Wer's wagt, gewinnt!

    Manchmal entstehen Ideen wie von selbst, schwingen sich ins Bewusstsein, ohne dass man sich darum bemüht hat. Solche spontanen Einfälle sind aber die Ausnahme. Die Mehrzahl guter Ideen muss man mit Beharrlichkeit ans Licht locken. Was leichter gesagt als getan ist: Einerseits kostet es Zeit, die oft knapp ist. Andererseits sind Ausflüge ins Ideenreich ungewisse Abenteuer – ob man Schätze heim bringt, ist nicht sicher. Ermuntern Sie in Ihrem Verein zu solchen Wagnissen! Wenn der Versuch bereits als Gewinn gilt, hat keiner etwas zu verlieren. Und wenn alle eingeladen sind mitzumachen, Mitarbeiter wie Mitglieder, Führungsspieler wie Ersatzbank, wird der Gedankensprung zum Vereinssport.

     

  • Bestätigung: Ideen sind nicht selbstverständlich – Anerkennung schon

    Gute Ideen sind weder eine Selbstverständlichkeit noch eine Nebensache. Sie bescheren der Mannschaft eine Art Freistoß aus chancenreicher Position. Das Team verdankt sie einem Mitspieler, der sich die Mühe gemacht hat, das Problem im Kopf durchzuspielen, mit all den verzwickten Dribblings, die nötig sind. Vereine, die solche Leistungsträger brauchen, dürfen vor allem an einem nicht sparen: der spürbaren Anerkennung für Ideen und Ideengeber!

Ermutigung und Bestätigung – zwei Ansatzpunkte, die beispielhaft zeigen, wie die Führungskräfte als Vorreiter die Grundstimmung verändern können. Auf die Schnelle geht das allerdings nicht: Man kann die Vereinskultur nicht nach Spielstand austauschen. Heute in strenger Formation, morgen in lockerem Freiflug, mal so und mal ganz anders – das würde jedes Team überfordern. Ein Verein, der sich bisher mit Veränderungen schwer getan hat und von "Gedankenspielen" nichts wissen wollte, kann nicht erwarten, dass die defensiv ausgerichtete Mannschaft nun im Handumdrehen zu stürmischen Ideen neigt. Es ist auch eine Frage der Mentalität, die zu wandeln Zeit und Überzeugungskraft verlangt.

 

Tipp: Als Zustand ist die Vereinskultur also nur zu beschreiben, wenn man kurz die Uhr anhält, um zu betrachten, an welchem Entwicklungspunkt sich der Prozess gerade befindet. Ein lohnendes Unterfangen: Vereine, die sich mehr kreative Ideen wünschen, sollten durch eine Momentaufnahme herausfinden, ob Kultur und Kommunikation den Ideenreichtum eher begünstigen oder bremsen.

 

 

Umsetzung: Aussicht auf Abschluss

Nehmen wir einen Mittelfeldspieler, dem tolle Pässe gelingen. Doch kaum hat er den Ball raffiniert vorgelegt, pfeift der Trainer ab: Das Zuspiel sei klasse, aber die Mannschaft sei noch nicht so weit. Mit der Zeit würde dem Ballzauberer die Lust vergehen, nicht wahr? So ähnlich geht es Ideengebern, deren Vorschläge wiederkehrend in der Schublade verschwinden. Alle Ermutigung hilft nichts, wenn der Verein nicht mutig genug ist, Ideen auch auszuprobieren, zum Beispiel im Rahmen von Pilotprojekten!

 

3. DÜRFEN: SPIELFELD FÜR SPIELFREUDIGE FELDSPIELER

Nur wenn Mitarbeiter, die können und wollen, zu guter Letzt auch dürfen, wird Ideenmanagement zur runden Sache. Natürlich wird ein Verein, der auf Ideen setzt, keine Denkverbote erteilen. Allerdings ist "der Verein" nicht immer so einig, wie man hofft: Ob Anstöße, die der Vorstand gegeben hat, auch in allen Abteilungen ankommen? Oft reichen kleine Hindernisse, um den aufgenommenen Schwung wieder abzubremsen. Vor allem auf folgende vier Faktoren sollten Vereine achten:

  • Gedankenflugplan

    Wie viel Freiraum hat die Mannschaft, sich etwas Neues einfallen zu lassen? Wenn sie den Alltagsaufgaben kaum hinterher kommt, hat sie für Gedankenflüge keine Puste mehr. Leider haben Routineaufgaben die Neigung auszuufern. Ohne ein klares Signal der Vereinsführung, dass Auszeiten für die Kreativität im Vereinsinteresse sind und ohne klare Regelungen für den Einzelfall (zum Beispiel die Freistellung von Mitarbeitern für Ideenfindungsprojekte), hat Ideenmanagement im Alltag keine Chance.

    Tipp: Zeit ist eine knappe Ressource, die man effektiv nutzen sollte. Wie – das erläutert Ihnen der Baustein Zeitmanagement.

     

  • Stromversorgung für Geistesblitze

    Freiräume sind das eine, Besprechungsräume das andere. Welche Ausstattung ein Innovationsprojekt benötigt, misst sich am Einzelfall. Vereine sollten sich die Mühe machen, den Bedarf festzustellen. Ein Internetzugang für die Recherche zum Beispiel dürfte meist unverzichtbar sein. Und wenn keiner vorhanden und das Geld knapp ist? Dann sind Ideen gefragt! Vielleicht lädt zum Beispiel ein Internetcafé Ihr Team ein, wenn es dafür in der Vereinszeitung werben darf.

     

  • Denksportgemeinschaft

    Wie gut ist das Zusammenspiel organisiert? Lösungen entstehen meist nicht im stillen Kämmerlein, sondern im Team. Denn der Austausch über unterschiedliche Erfahrungen und Denkweisen ist oft die Initialzündung für Innovationen. Organisieren Sie darum die Ideenfindung als Projekt- und Teamarbeit.

     

  • (All-)Tag der offenen Tür

    Die besten Ideen sind vergebens, wenn sie nicht zu denen vordringen, die für die Entscheidung verantwortlich sind. Wenn Lösungsvorschläge "auf dem Dienstweg" hängen bleiben, war die ganze Mühe umsonst. Künftig wird sie unterbleiben: Solchen Frust will keiner zweimal erleben. Regeln Sie deshalb verbindlich, dass Veränderungsvorschläge auch dort ankommen, wo sie hingehören!

    Ideenmanagement funktioniert besonders gut in flachen Hierarchien, in denen alle – vom ehrenamtlichen Helfer bis zum Vorstand – direkt miteinander kommunizieren. Wenn Informationen und Bürotüren (zu bestimmten Zeiten) allen offen stehen. Einerseits, weil der schnelle Austausch von Informationen und Ideen hilft, maßgeschneiderte Lösungen zu finden. Andererseits, weil Gespräche auf Augenhöhe enorm motivieren.

 

FAZIT: IDEENMANAGEMENT IST AUCH EINE FRAGE DER EINSTELLUNG

Ideen lassen sich „managen“. Um die Voraussetzungen zu schaffen, muss die Führungscrew zunächst den Verein als Ganzes betrachten: Fördert er kreatives Können, Wollen und Dürfen? Sind alle Mannschaftsteile bereit, den Prozess der Ideenfindung zu unterstützen? Im zweiten Schritt gilt es, die konkreten Bedingungen zu untersuchen, unter denen die Mitstreiter auf Ideensuche gehen: Ein Team zum Beispiel, das Veränderungsvorschläge entwickeln soll, aber wenig über die Ausgangslage weiß und kaum eine Kreativitätstechnik kennt, hat schlechte Karten.

 

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